Blue Flower

Eigentlich wollte ich einfach nur einen Artikel über Zufuhrempfehlungen, Schätzwerten und Referenzwerte schreiben. Aber gleich beim ersten Satz habe ich das Thema erst mal vertagt. Den Zufuhrempfehlungen basieren nach einer Definition der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) auf fundierten d. h. evidenzbasierten Ergebnissen. Und da war er genau der Punkt, warum man bei Ernährungsempfehlungen heute hört, dass Kaffee gut für unsere Gesundheit ist und einige Tage später das er schlecht ist.

Grundsätzlich muss man sich nämlich erst mal anschauen woher kommt die Aussage. Wer hat sie gemacht und vor allem wie wurde sie ermittelt. Ist es eine Studie mit drei oder vier Personen. Ja wirklich, es gibt Studien bei denen nur ein paar Personen untersucht wurden und es wird überall als DIE Empfehlung für ALLE Menschen veröffentlicht. Oder ist es eine kontrollierte randomisierte Doppelblindstudie mit einer repräsentativen Anzahl an Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Was unterscheidet also eine gute Studie von einer nicht so aussagekräftigen? Wie kann man dies selber beurteilen? Also welche Fragen sollte man sich stellen, wenn man ein Ergebnis einer Studie anschaut.

Erst mal ist es gut, wenn man weiß welche Art von Studien es gibt und wie was sich dahinter verbirgt.

Interventionsgrad

Interventionsstudie: Teilnehmer bekommen eine festgelegte Behandlung (= Intervention)
Beobachtungsstudie: Teilnehmer werden in ihrer normalen Lebensführung beobachtet, sie erhalten keine Intervention

 

Beobachtungsdauer

Querschnittstudie: es erfolgt eine Messung
Längsschnittstudie: es erfolgen mindestens zwei Messungen, meist erfolgt aber sogar eine Beobachtung über einen längeren Zeitraum

 

zeitlicher Aspekt

retrospektiv: das zu untersuchende Ergebnis liegt in der Vergangenheit
prospektiv: das zu untersuchende Ergebnis liegt in der Zukunft

 

Kontrollgruppe

Studie mit Kontrollgruppe: eine Teil der Teilnehmer erhält eine Intervention, eine anderer Teil nicht.
Studie ohne Kontrollgruppe: alle Teilnehmer erhalten dasselbe

 

Zufälligkeit

Zufällig: bei Einteilung in Kontrollgruppen, werden diese zufällig bestimmt
nicht zufällig: die Kontrollgruppen werden ausgewählt

 

Untersuchungsobjekt

Laborexperiment
Tierversuch
klinische Studie direkt am Menschen

 

Studienziel

Überlegenheitsstudie: ist eine Maßnahme gegenüber der Alternative oder dem Placebo besser
Äquivalenzstudie: ist eine Maßnahme gleichgut wie eine Alternative oder ein Placebo
Nicht-Unterlegenheitsstudie: ist eine Maßnahme nicht schlechter als eine Alternative oder ein Placebo

 

Aus dem Studienziel ergibt sich noch eine weitere wichtige Größe, die

Fallzahlenbestimmung

wie viele Personen müssen an der Studie teilgenommen haben, damit sie aussagekräftigt ist. Hierzu benötigt man die Statistik.

Grundsätzlich wird für Studien eine bestimmte Anzahl von Personen benötigt. Dabei werden die einzelnen Personen in Gruppen eingeteilt, sogenannte Kohorten. Wichtig hierbei ist, dass innerhalb einer Kohorte aber der Durchschnitt der zu untersuchenden Personengruppe vertreten ist.

Deshalb ist es sehr wichtig, dass bei einer Studie im Vorfeld bestimmt wird, was bei wem untersucht werden soll. Soll z. B. ein Mittel, eine Behandlung oder eine Ernährungsform besser wirken als ein andere oder gibt es keinen Unterschied oder wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit einen vorhandenen Unterschied nachzuweisen. Bei welcher Gruppe von Personen soll dies untersucht werden, Männer, Frauen, Vegetarier, Veganer, Mischköstler etc. All diese Fragen haben einen entscheidenden Einfluss auf die Zusammensetzung der zu untersuchenden Gruppe. Über diese Größen wird die Anzahl der Teilnehmer bestimmt. Meist ergibt sich hierbei eine Studienteilnehmerzahl die über 1000 Personen liegt.

Neben den Einzelstudien gibt es auch eine

Zusammenfassung von Einzelstudien

Review bzw. Übersichtsarbeit: aktuelle Literatur wird ausgewertet
Metaanalyse: die Ergebnisse der Einzelstudien werden mittels statistischer Verfahren zusammengefasst

 

 

Nach diesen vielen Informationen lässt sich jetzt folgender Rückschluss auf die Qualität einer Studie ziehen.

Der sogenannte Goldstandard ist die randomisierte Doppelblindstudie (RCT, randomized controlled trial). Die Teilnehmer werden nach dem Zufallsprinzip in Gruppen mit Intervention und ohne Intervention (Placebogruppe) aufgeteilt. Weder Studiendurchführende noch Teilnehmer wissen zu welcher der Gruppen sie gehören.

Daran schließt sich die Kohortenstudie an. Es werden zwei Gruppen untersucht. Eine Gruppe die einer bestimmten Sache ausgesetzt sind und eine Kontrollgruppe die nicht exponiert ist. Durch verschiedene Messungen, Beobachtungen oder Befragungen wird ermittelt, wie viele Personen dann nach einem gewissen Zeitraum z. B. eine Krankheit aufweisen. Sind mehr Personen aus der exponierten Gruppe betroffen als aus der nichtexponierten zieht man den Rückschluss, dass die Exposition einen Risikofaktor darstellt.

Danach folgt die Fall-Kontroll-Studie. Es werden zwei Gruppen untersucht. Eine Gruppe die z. B. eine bestimmte Krankheit hat und eine Kontrollgruppe die diese Krankheit nicht hat. Über einen längeren Zeitraum werden verschiedene Messungen bzw. Untersuchungen oder Befragungen vorgenommen. Man versucht aus diesen Ergebnissen herauszubekommen warum die eine Gruppe die Krankheit hat und die andere Gruppe nicht. Hierbei wird rückblickend versucht herauszufinden, welche Ursachen die Krankheit verursacht hat.

Metaanalysen nehmen eine besondere Stellung im Bereich der Studien ein. Ergebnisse vieler einzelner Studien die gleiche Teilnehmergruppengruppen und Untersuchungsergebnisse haben, werden zusammengefasst und erneut statistisch ausgewertet. Ziel der Metaanalysen ist es, durch die Zusammenfassen von mehreren kleineren Studien eine größere Aussagekraft zu erhalten.

 

 

 

 

Informationen die unter anderem zur Erstellung dieses Blogbeitrages genutzt wurden:

Leitlinien

https://www.ebm-netzwerk.de/was-wir-tun/publikationen/LeitlinieEvidenzbasierteGesundheitsinformation.pdf

https://www.awmf.org/fileadmin/user_upload/Leitlinien/AWMF-Publikationen/BAEBl_201501_Kopp_Rahn_LL_in_der_klin_Praxis.pdf

 

Bewertung von Studien

https://www.krebsinformationsdienst.de/grundlagen/ebm-leitlinien.php

https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0042-117551

https://www.aerzteblatt.de/archiv/106949/Randomisierte-kontrollierte-Studien

 

Fallzahlen, Anzahl der Studienteilnehmer bestimmen

https://www.aerzteblatt.de/archiv/77774/Fallzahlplanung-in-klinischen-Studien

https://www.ebm-netzwerk.de/site/pdf/zefq/schulz-epidemiologie1.pdf

http://www.rbsd.de/PDF/power.pdf

http://www.dgfkt.de/content/kardiotechnikoriginalausgaben/408/Kranke.pdf

http://media.dav-medien.de/sample/9783769270464_p.pdf?v2